Der ANNAPURNA Kraftkreis - CIRCUIT of Life
... oder die laufende Reduktion auf Alles Gute
01.-06.03.2004
Terra Mirabilis - in 5 Tagen um die Welt
Der Ort
Im Zentrum des Himalaya liegt das kleine feine buddhistisch-hinduistisch geprägte Königreich Nepal:
Land nicht nur der höchsten Berge unseres Planeten, sondern allgemein größter Natur-Vielfalt zwischen den Niederungen des Terai-Dschungels auf nicht einmal 300m üNN bis zu den Gipfeln der eisgepanzerten Achttausender.
So wundert es kaum, daß im Laufe der vergangenen Jahre, in denen sich Nepal vorsichtig den neugierigen Augen westlicher Besucher öffnete, eine Tour ganz besonderen Ruf erlangte: der ´Annapurna circuit´ .
Die fast vollständige Umrundung des größten Bergmassives auf unserem Planeten überhaupt, ist nach Meinung vieler, die sie gemacht haben, die schönste Wanderung der Welt.
Begegnungen mit völlig unterschiedlichen Menschen, einer erstaunlichen Vielfalt von Völkern sowie einzigartige Eindrücke aussergewöhnlicher Landschaftsformen und beinahe sämtlicher Vegetationszonen unseres Planeten auf engstem Raum sind bleibende Erinnerungen und Lohn einer beinahe paradoxen Mühsal, zeitresistente Schönheit in einem 230km-Ultralauf
durchmessen zu wollen.
Die Richtung
Traditionell wird die Strecke aus höhentaktischen Erwägungen lieber gegen den Uhrzeigersinn zurückgelegt.
Die Strecke
Anreisetag und Start
ab Kathmandu mit dem Bus nach -> Besisahar (820hm) und erste Schritte hinauf bis nach -> Bahundanda (1310hm) Reisterrassen und Bambushaine am Marsyangdi river
1.Etappe/Tag
Bahundanda (1310hm) nach -> Chame (2630hm) Nebelwälder im tibetanischen Dunstkreis
2.Etappe/Tag
Chame (2630hm) via ->
Manang (3550hm) nach -> Yak Kharka (4100hm) Dünne Luft an dicken Bergen
3.Etappe/Tag "höchster UltraMarathon der Welt"
Yak Kharka (4100hm) via -> Thorong La (Pass - 5420hm) und -> Muktinath (3800hm) nach -> Jomosom (2750hm) HiGHmalaya at its best
4.Etappe/Tag
Jomosom (2750hm) nach -> Tatopani (1100hm) Im tiefsten Tal der Erde
5.(Zusatz)Etappe/Tag zum Ziel
Tatopani (1180hm) via -> Ghorepani (2900hm) nach -> Bhirethanti/Naya Pul (1180hm) und von dort Bus nach Pokhara
"Rauf und runter, das ist Nepal" - wie das Leben
Die Story
Dies ist die Geschichte einer Passion. Einer Wallfahrt. Eines einzigartigen Ultramarathons.
Über die vielfältigste und beeindruckendste Panorama-Strecke, die Menschen auf unserem Planeten zivilisiert haben. Schwärmerisch zurückkehrend ein jeder, der diesen magischen Drei-Viertel-Kreis je betrat.
Nepal-Faszination pur auf der Runde um die Annapurna, die im Volksmund zu recht den Beinamen „Schönste Wanderung der Welt“ erlangt hat. Im Osten wie im Westen.
Gekommen, um höchste Berge, um tiefste Täler zu schauen - erneut gekommen, um Menschen wiederzusehen, die man gerne kennen lernt!
„Nie bin ich reicheren Menschen begegnet“ (Reinhold Messner)
Auch die Seele des Autors ist diesem Reichtum erlegen.
Sina Vodjani - straight to the heart (mit buddhistischen Rezitationen)
Die Runde
Der junge Mann ist tot, zwanzig klapprige Busse stehen im Stau; fünfzig Nepali um die nur notdürftig mit einem leeren Kartoffelsack abgedeckte Leiche.
Babu Raja meint, der Mann sei - ohne zu gucken - einfach über die Straße gelaufen, direkt vor einen dieser Fernbusse, die täglich zahlreich Nepals Kapitale Kathmandu mit der Trekking-Hochburg Pokhara verbinden. Und fügt trocken hinzu, daß wir Glück haben, weil es in Dumre passiert ist, wo wir ohnehin umsteigen müssen, das Tiefland und die westliche Hauptverkehrsachse Richtung Himalaya-Hochkette verlassen werden.
*
Die Wohnung des Schnees (wörtliche Übersetzung von „Himalaya“) kennt kaum Straßen, und wo solche entstehen, werden Menschen leider allzu oft allzu sorglose Opfer unerwarteter Technikkraft. Nepal ist ein Multi-Kulti-Staat, dessen Völkern vor allem eines gemein ist:
LAUFEN.
Ein besonders guter und schneller Läufer ist Babu Raja Shresta, 31, Familienvater und Kartoffelbauer im westlichen Kathmandutal. Der Volksgruppe der Newari zugehörig, ist er qua Geburt schon zweisprachig, das Nepali ist dem Newari so ähnlich wie das Deutsch dem Finnischen. Englisch und französisch hat er leidlich hinzu gelernt und so kann auch ich mich gut mit ihm verständigen.
Die Newari sind berühmt für ihre einzigartige Schnitzkunst. Die überaus filigran wirkende Stadt Bhaktapur im Kathmandutal ist wunderbares Zeugnis dessen. Für viele Asienkenner ist dieses lebende Freilichtmuseum eine der schönsten Städte im Fernen Osten überhaupt.
Babu Raja hat sich der Laufkunst vergeben.
1993 hat er den Everest Athletic Club Kathmandu mit gegründet, heute ist er dessen Chairman. Und Feuer und Flamme für meine Idee, die uns beiden wohlbekannte sogenannte Annapurnarunde einmal im schnellstmöglichen Dauer-Lauftempo als „Go-as-you-please“ Etappen-Ultramarathon zu versuchen.
Seine Marathon-Bestzeit von 2h35 bei einem Bergmarathon läßt erahnen, daß möglicherweise eines Tages die internationalen kenianisch-äthiopischen Meisterschaften vieler unserer Langstreckenläufe um eine nepalische Konkurrenz-facette bereichert werden könnten. Noch kennt kaum ein Himalayabewohner das Wort „Training“. Man läuft.
Einfach so. So einfach. *
Als wir mit 15 km/h im „local bus“ der kleinen Ortschaft Khudi entgegenschaukeln, flucht mein Kreuz über den Straßenzustand. Zudem ist es auf gerade 700 Meereshöhenmetern in dieser Enge noch unangenehm schwül und stickig.
Ich sehne mich danach, endlich laufen zu dürfen.
Beim Blick aus dem Fenster wird schnell klar, warum ich überhaupt ein drittes Mal diese Busfahrt über mich ergehen lasse: Fliegende Berge.
Himalchuli ist keine Wolke, sondern ein Fastachttausender. Unwirklich über der Landschaft schwebend bewohnt seinen Schnee vielleicht wirklich der eine oder andere Gott, wie die Menschen hier glauben.
Die lichtdurchfluteten sattgrünen Reisfelder zu seinen Füßen bewohnt der alte Bauer vor mir, dessen sonnengegerbtes Gesicht zahllose beschwerliche Lebenswege zierfurchen, klaglos hingenommen, bis in sein unschätzbares Alter hinein.
Die Sonne richtet sich Anfang März schon zum Untergang, als wir gegen 17h endlich starten können. Zwischen Besisahar und Khudi parken die Straßenbaumaschinen am Hang. Auf vielen, vielen Kilometern ... geht es ab jetzt nur noch zu Fuß weiter.
* Unter Trekkern, Wanderern und Bergsteigern hat die nicht ganz geschlossene Runde um das gewaltigste Gebirgsmassiv unseres Planeten schnell den Ruf der schönsten Wanderung der Welt erlangt.
Auf ca. 230 km wollen zwischen Besisahar/Khudi und Tatopani/Beni weit über 20.000 Höhenmeter in Lagen zwischen 800hm und bis zu 5418hm bewältigt werden.
Das Annapurnagebiet kennt viele Superlative:
Höchster dauernd begangener Paß (Thorong-La, 5418hm), tiefstes Tal der Erde (Kali Gandaki-Tal zwischen den Berggiganten Annapurna und Dhaulagiri), gefährlichster Berg (Annapurna I, „death-to-success-rate“ 1 zu 1, d.h. auf eine erfolgreiche Besteigung kommt statistisch gesehen ein Todesopfer), usw.
Doch sind es nicht allein Fakten, die beeindrucken, es ist zuvorderst das Landschafts-Lauferlebnis als solches, die Reduktion des eigenen (Er)Lebens auf schauen, lauschen, riechen. Essen, trinken, schlafen. Bewegen. Dazulernen.
Gewaltig.
Wie groß die Vorstellung von dieser „Zeitreise“ vorher auch gewesen sein mochte, ich persönlich kenne nur Menschen, deren Erstaunen über die Wirklichkeit jede Erwartung übertraf.
Eintauchend in diese fast archaische Welt, die so viele verschiedene Gesichter kennt, so viele Sprachen, derart unterschiedliche Naturräume, entsteht bald der Eindruck, binnen kurzer Zeit die ganze Erde zu umrunden.
Irgendwo zwischen Madeira und Schwarzwald, zwischen Arizona und Arosa, unter Orangen- und Zitronenbäumen, blühenden Rhododendren und Himalaya-Zypressen, bei amerikanischen Farnen und australischen Eukalyptusbäumen, in dichten Lorbeerwäldern oder dunkelgrünen Bambushainen, am Ufer smaragdgrüner Kristallseen und eisblau gurgelnder Bergbäche, neben rostroten Felsenkammern oder verborgen in geheimnisvollen Tempelanlagen, im Reich der Kulis, Mulis, Naks und Yaks, auf dem Rücken der Blauschafe oder der Schneeleoparden ... irgendwo dort liegt es, das „Shangri-La“, das Paradies des Ursprungs. *
Unsere Rucksäcke sind nur mit dem Allernötigsten bepackt, HighTech und Erfahrung begrenzen die Last auf unter 8 Kilo, bei mir sind es gar nur 6.5 kg, wie später die Airportwaage in Pokhara zeigen wird.
Wir wollen zumindest noch bis Bhulbule laufen, schaffen es durch Reisterrassen sogar noch den schweißtreibenden Bahundanda-Hügel hinauf, bevor es vollkommen dunkel wird.
1.Tag
Der erste Himalaya-Morgen ist hier auf 1300hm frisch und klar, die Natur zeigt sich zum Früchtemüsli auf der Lodgeterrasse mit Aussicht weit und üppig grün.
* Nepali sind Meister der Anpassung, auch die zahlreich am Wegrand befindlichen Hüttenunterkünfte herzlicher Gasteltern haben sich längst Alpenniveau genähert.
Kulinarisch sind Spaghetti, Rösti mit Omelette, Zwiebelsuppe und Apfelstreusel, manchmal ein freilich bißfestes Yak-Steak oder ein Schokopudding, längst Standard;
Dhal Bhaat, das Nationalgericht aus Reis und Linsen, oder Momos, die tibetische Teigtaschenspezialität, immer einen Versuch wert.
Bei heißer Zitrone, kühler Cola oder einem abendlichen Bier (aus der hier beliebten Brauerei des „heiligen Michael“) klingen tägliche Lauferlebnisse in vielen Gesprächen noch lange nach. Ein eigenes Zimmer, zumeist gute Matratzen, und natürlich die gesunde Luft bringen nötige Regeneration einfach über Nacht. *
Um 07h30, noch ehe die Sonne den Boden des tief eingeschnittenen Marsyangdi-Tales erreicht, sind wir „on trail“, denn das Ziel des ersten Tages lautet Chame, die entfernte Distrikthauptstadt des Manang-Hochtales.
Vorbei an Bambus, Reis und wildem Cannabis, entlang winziger, in patchworkartig angelegte Felder gebettete Bauernsiedlungen, zieht es uns immer weiter nördlich, überwiegend an Höhe gewinnend, manchmal wieder verlierend, den Lamjung Himal mit seinem ewigen Schneehaupt bewundernd, von spielenden Kindern begrüßt, von internationalen Trekkern bisweilen kritisch beäugt.
Manchmal muß Babu Raja auch stehenbleiben, als Co-Organisator des jährlich stattfindenden „Mandala Trail Race“ um die Annapurna ist er hier sehr bekannt und trifft immer wieder Freunde am Wegrand, mit denen es ein paar Anstandsworte zu wechseln gilt.
In Tal, was auf Nepali soviel wie „See“ bedeutet, so genannt, weil sich hier vor Urzeiten ein solcher an die beinahe senkrechten Felswände schmiegte, verlassen wir den eher hinduistisch geprägten Kulturkreis und gelangen in die überwiegend tibetische Einflußzone. In Reihe und Glied aufgestellte, zumeist kalkweiß ummauerte Gebetsmühlen, oft flankiert von Mani-Wänden (religiöse in Stein gehauene „Sinnsprüche“), werden uns nun durch die Ortschaften geleiten. Und dabei gilt der Linksverkehr.
An einem Check-post muß ich mich in ein Buch eintragen und meinen Erlaubnis-schein abstempeln lassen, denn um im Annapurna-Nationalparkgebiet überhaupt unterwegs sein zu dürfen, bedarf es einer vorab für umgerechnet ca. 20-30 Euro erhältlichen behördlichen Genehmigung der ACAP (Annapurna Conservation Area Project), die jedoch problemlos regelmäßig erteilt wird. Und kontrolliert.
Unter einem kleinen Wasserfall machen wir kurz Fotostop, kühlen die zu Mittag bei inzwischen über 20 Grad leicht erhitzten Köpfe. Wir füllen unsere Wasserflaschen und Camelbaks auf, zur Sicherheit gibt’s für mich eine Tablette zum Entkeimen dazu.
Bei Dharapani knickt die Route scharf links, trifft auf den Weg, der (nur mit Zelt und Sondergenehmigung und Begleitern ausgerüstete) Trekker den japanisch erstbestiegenen Achttausender Manaslu in einer mehrwöchigen Tour umkreisen läßt; den Berggiganten, welcher von nun an beim Blick zurück den Horizont begrenzt.
Sonnige Mittagsrast in einer Lodge, Dhal Bhaat und ein Zwiebel-Omelette füllen die Energiespeicher auf.
Bis hinter Danagyu sind wir auf gut ausgetretenen meist breiten Wegen unterwegs, dann erfordert eine Reihe von Bergrutschen etwas Trittsicherheit durch das von unglaublichen Naturgewalten veränderte, immer wilder wirkende Terrain.
Wir passieren märchenfilmreife Bergurwälder mit Wolkenkratzer gleichen, moos-überwucherten und flechten-verhangenen Nadelbaumriesen.
Als wir schließlich in Chame ankommen, sind wir nach 8 Stunden reiner Laufzeit froh, daß ein heißer Tee die auf 2600hm schon bald aufkriechende Abendkühle vertreibt.
Dann fällt der Strom aus. Wir sitzen bis zum Aufstellen einiger Kerzen im Dunkeln.
Nichts wirklich Ungewöhnliches im Himalaya, eine Stirnlampe gehört daher zur Pflichtausrüstung. Ich habe meine verloren, bei einer kurzen Pause hatte ich meinen Rucksack nicht richtig zugezippt, so muß sie wohl herausgefallen sein.
Babu Raja besorgt mir im Dorf schnell chinesisch produzierten Stableuchten-Ersatz.
* Die allermeisten Nepali sind außerordentlich hilfsbereit, und seit jeher gewohnt, aus besonders Wenig möglichst Viel zu machen. Meister der Improvisationskunst. *
2.Tag
Die 7937m hohe, in glasklarer Bergluft herrlich anzuschauende Schnee- und Eispyramide der Annapurna II weckt uns früh mit Lawinendonner, wir wollen vor Anbruch des auch in diesen Höhenwegbereichen noch heißen Mittages ein gutes Stück weiter das Tal hinauflaufen.
Durch schattenspielige Fichtenwälder nähern wir uns zügig der 3000er Grenze. Wo bei uns in Mitteleuropa längst kahles Hochgebirge landschaftsbestimmend wäre, hier treiben Hirten ihre Schafherden um liebliche Bergteiche auf sonnenverwöhnte Almen, deren sommerliche Blumenpracht sich so früh im Jahr schon ahnen läßt.
Bei den „Vogelteichen“ (Tukhure Pokhari) kehren wir zu einem Nudelsuppenzweitfrühstück im Hotel Adlon ein.
Hier hatten die Betreiber offenbar deutsche Kontakte, der hochtrabende Name ist außerordentlich. Üblicherweise richtet man sich nach den Namen der Berge, oder Begriffe wie „Super View“, „Rainbow“, „Waterfall“ oder „Yak and Yeti“ signalisieren, was es (vielleicht ) zu bestaunen gibt. Zahlreiche „Maya Lodges“ verraten jedoch, daß auch in diesem Weltwinkel die Liebe (=Maya) Thema Nummer Eins ist.
In Pisang teilt sich der Weg. Wo ich sonst den aussichtsreicheren und grundsätzlich besonders empfehlenswerten sogenannten „upper way“ ging, wählen wir nun den unteren Weg am Hongde-Flugfeld entlang.
* Der kleine, zum Glück kaum frequentierte Airport, dessen Start- und Landebahn (auch STOL genannt, für „Short Take Off +Landing“) für die in Nepal gängigen Twin Otter Turboprop-Maschinen ausreicht, ermöglicht den geschäftstüchtigen Manangis einen Teil ihres Handels. Hohe und für Touristen verbotene Pässe von Tibet her lassen auch zahlreiche chinesische Produkte in diese Region gelangen.
Und so mancher höhenkranke Westler mußte schon von hier aus in niedrigere Lagen ausgeflogen werden, nicht jeder verträgt die kritische Grenze von 3000-3500hm gleich gut. Viele wagen sich auch einfach zu schnell zu weit nach oben und mißachten dabei elementare Regeln der Höhenanpassung. *
Wir sind (durch eine Hochtour in der Vorwoche) ausreichend vorakklimatisiert und dürfen uns nur deshalb (!!) eine Schlafhöhe von über 4000hm schon in der dritten Nacht seit Kathmandu (1300hm) erlauben.
Doch zunächst genießen wir ein ausgiebiges Mittagessen in Manang (3550hm) bei guten Freunden Babu Raja’s, denen eine der beliebtesten und schon sehr modernen Stein-Lodges des Ortes gehört. Mit geräumigen Zimmern, davon manche gar mit eigener Dusche/WC. Statt Zimmerschlüssel bekommen wir mönchsgeweihte, weiße und pastellgelbe Seidenschals (sog. „Kata(g)s“) überreicht, die uns für die bevorstehende, anstrengende und ungewisse Hochtour segnen sollen.
* Manang wird auch deshalb gerne für einen mehrtägigen Aufenthalt genutzt, weil von hier mehrere (zudem die Akklimatisation fördernde) Tagestouren möglich sind. Diese führen zu Gletscherseen und in wilde unberührte Seitentäler hinein.
Die längste Tour ist dabei Dauerläufern vorbehalten, sie führt zum höchstgelegenen See der Erde, dem Tili-Cho auf über 5000hm. An einem Tag hin und zurück schwierig, aber bei guten Bedingungen zu schaffen. *
Nach erneut etwa 8 Stunden Lauftag gelangen wir zuletzt sehr gemächlich nach Yak Kharka, einer extra für Durchreisende gebauten DreiHäuser-ZweiStälle-Siedlung (kharka=Stall) schon fast im Talschluß auf 4100hm.
Leichte Kopfschmerzen zur Nacht bleiben auch uns nicht erspart, sind deutliche Warnung, daß auch bei bester Vorakklimatisation schneller Aufstieg erst vom Körper verarbeitet sein will. Viel heiße Zitrone und zwei Knoblauch-Suppen sorgen für wichtige Flüssigkeitszufuhr, unterstützen die Anpassung an dünn und dünner werdende Luft. Denn der nächste Tag ist der entscheidende, der berüchtigte Thorong-La (La=u.a. Pass) muß gemeistert werden.
Wenn wir gar bis Jomosom im auf der anderen Seite gelegenen Kali Gandaki Tal kommen wollen, ist extra frühes Aufstehen unerläßlich.
3.Tag
Namasteeeeee! - Leider haben die Gasteltern den Frühstückswunsch halb sechs für 6h30 gehalten. Babu Raja wirft schließlich nach langer und zögerlicher Diskussion mit sich selbst und unter Abwägen sämtlicher nepalischer Gepflogenheiten die Gurung-Frau um kurz nach 6 aus dem Bett, damit wir vor dem Aufbruch zumindest noch einen heißen Tee bekommen. Auch für Unterwegs gilt es vorzusorgen, damit Flasche und Trinkschlauch nicht alsbald wieder einfrieren.
Am 05.03. um 06h40 geht es endlich los.
Das Wetter hält sich, dennoch ist die Spannung groß. Hat doch der Paß unter Einheimischen (meist wegen schlechter Ausrüstung) und Trekkern (meist wegen schlechter Vorbereitung) schon manches (Todes-)opfer gefordert. Im Himalaya sind - wie in den Alpen und anderen Gebirgen - unerwartete, ja überfallartige Schlechtwettereinbrüche immer einzukalkulieren. Wer dann konditionell nicht „auf der Höhe“ ist, möglicherweise gar unzureichend ausgerüstet die Orientierung verliert, muß bei -15, -20, bisweilen -30 Grad mit dem Schlimmsten rechnen.
Wir haben zunächst Glück, leisten uns am Fuß des Passes (Thorong Pedi) in einer der beiden offenen Hütten noch ein spätes Frühstück.
Marmeladentoast, Orangensaft und Zwiebelomelette, dann geht es am Thorong High Camp vorbei auf ca. 4750hm recht steil bergan.
Der Pfad selbst ist so früh im Jahr noch nicht überall völlig schneefrei, so manches Stück erfordert sowohl im Aufstieg als auch später im Abstieg nach Muktinath höchste Aufmerksamkeit, zumal wir („unzureichend ausgerüstet“!) lediglich in Trail-Runnern laufen, so auch nicht den Tritt finden, wie in eigentlich anzuratenden Bergstiefeln. Nepali jedoch sind diesbezüglich nicht so verwöhnt, häufig sieht man Träger unter 40kilo-Last in Badeschlappen („flip-flops“) über die Berge ziehen.
Meine Übervorsichtigkeit im Aufstieg läßt Babu Raja schon schmunzeln, in diesem Gelände sind sie uns lauftechnisch hoffnungslos überlegen.
Über 5000hm wird der Weg immer flacher, sorgt noch für den einen oder anderen völlig unerwarteten Extrakilometer, denn nach jeder Serpentine kann und will man einfach nicht glauben, daß noch eine weitere folgt.
Um 12h30 erreichen wir die Paßhöhe auf 5418hm inmitten einer phantastischen Hochgebirgswelt aus Felsgeröll, Schnee und Gletschereis.
Beim Blick Richtung Mustang, welches schon deutlich die hochwüstenartige Züge Tibets trägt und erst Ende der 80er Jahre gegen eine saftige Eintrittsgebühr von umgerechnet gut 60 Euro pro Tag für begrenzt stattfindenden Tourismus geöffnet wurde, stockt mir der Atem.
Oder ist es doch die Höhe?
Nach kurzem Erinnerungsfoto an den auf praktisch allen Pässen im tibetischen Einflußraum angebrachten bunten und zumeist bedruckten Fahnen, welche Die Guten Worte in alle Winde streuen sollen, jagen wir halb erfroren den Steilabhang hinunter, der uns schließlich ins tiefste Tal der Erde führen soll. Wir sind froh über jedes zusätzliche Wärmegrad, jedes Sauerstoffmolekül, das die wieder aufgetretenen leichten Kopfweh vertreibt, sind glücklich, daß sich das Wetter hält, wir Traumsicht auf den formschönen Gipfel des Achttausenders Dhaulagiri, auf Tukche Peak, Nilgiri North und viele weitere oft namenlose Riesenberge haben. In 50km Entfernung und mehr.
Ommhhh.
Als wir uns nach einer knappen Stunde schon dem ersten Tea-House weit vor Muktinath nähern, wird Babu Raja trotz seiner Trittsicherheit ungewöhnlich langsam. Die vorplanmäßige Einkehr gefällt mir nicht, aber Babu schiebt vor, er habe nicht mehr genügend „fuel“, also Benzin... oder auch Kohlehydrate genannt.
* Nepali sind ihrem Wesen nach ausgesprochen höflich, zurückhaltend insbesondere, wenn sie einem aus ihrer Sicht Höherstehenden vermeintlich Schwierigkeiten verursachen. Eine Verletzung zu offenbaren, das ziemt sich nicht. *
Doch die Rast bringt klebrige Fanta, Nudelsuppe ... und das Problem an den Tag.
Seine rechte Schuhpolsterung ist im Schaftbereich blutrot durchtränkt, die Socke sowieso.
Das eigentlich Unvorstellbare dabei aber ist, daß nun ich am Unheiligsten aller Körperteile, an den Füßen, mit Pflaster herumdoktern muß. Es wird ihm soviel Unbehagen bereitet haben, wie unsereins das Herunterrutschen der Sporthose im heimischen Stadion.
* Muktinath. Einer der bedeutendsten Orte im Himalaya, den Hindus ebenso heilig wie den Buddhisten. Beliebtes Ziel strenggläubiger Pilger, die selbst mühsame, wochenlange Anmärsche aus der indischen Tiefebene oder von Tibet nicht scheuen.
Feuer, Wasser, Erde. Die Elemente begegnen sich; und den staunenden Reisenden im bunten Fahnenmeer des Tempelbezirks. Hier die immerwährende Flamme, eine kleine ummauerte Gasquelle – dort der Reigen der 100 Wasserspeier, wo sich strahlend weißes Licht bricht. Eines der Häuser ziert innen eine Wandmalerei mit Tieren, aufeinander gestellt wie Bremer Stadtmuktinanthen. *
Ein weiteres Dhal Bhaat gibt Babu Raja den großen Kick, wir „reiten“ pferdelos alsbald in den „Grand Kali Gandaki Canyon“ und einen glühenden Sonnenuntergang hinein, mit großer Begeisterung für die Farbigkeit dieser so kargen Hochwüste.
Über 1000 weitere Höhenmeter und 2 Stunden trennen uns noch von Jomosom, dem Handels- und Hauptort des Kali Gandaki Tales auf ca. 2700 hm; mit Bank, die kein Geld mehr für uns haben wird, weil angeblich die Armee jeden Schein benötigt; und mit einem Flughäfchen, von wo aus überwiegend ostasiatische Reisegruppen auf wirklichen Pferden in die Höhenkrankheit gen Muktinath starten.
Um nicht in stockfinsterer Nacht dem Flußlauf folgen zu müssen, lassen wir den Abstecher zur bezaubernden Ortschaft Kagbeni für diesmal aus.
* Kagbeni ist das Tor zu Mustang und Tibet, Zentrum noch heute praktizierter, uralter Bön-Religion, Kultstätte des Schamanismus und Animismus, zudem gelegen in einer überaus interessanten Umgebung, in der Felskammern besichtigt werden können und sogar Ammoniten (Meeresfossilien) -Jäger auf ihre Kosten kommen. *
Das Flußbett ist diesmal besonders trocken, in den letzten Jahren hat sich der Trail hindurch immer wieder verändert. Hier zahlt es sich besonders aus, daß mein nepalischer Begleiter schnell und sicher durch das Labyrinth aus Bach und Bächlein zu navigieren weiß, ohne daß die Füße naß werden.
Am „Yaksprung“ erzählt er von der namensgebenden Geschichte, als einem Yaktreiber auf der Steilstufe eines seiner Tiere stolpernd abhanden gekommen war, 15m tief ins Flußbett stürzte, sich das Genick brach, und als Opfermahl in Muktinath endete.
Schicksal.
Ein anderes, eher entwicklungs-geschichtlicher Art, ereilt unseren Herbergsbetreiber in Jomosom, wo wir schließlich erschöpft aber zufrieden gegen 18h45 in fast völliger Dunkelheit, mit dem Kopf schon in den Sternen, eintreffen.
Das orographisch linke Ufer des Flusses wird seit dessen Verschiebung im Canyon kaum noch von Trekkern besucht, Flughafen und die meisten Geschäfte sind weitab, der Hauptdurchgangsverkehr läßt seine Lodge im Wortsinne „links liegen“.
Dabei macht seine Tochter einen richtig leckeren Sanddornsaft, und seine Dachterrasse gäbe aufgeräumt sicher einen zauberhaften Logenplatz her.
4.Tag
Trommeln wecken um 1 Uhr nachts. Rhythmus, bei dem man mit muß; wenn man Nepali ist und einen der vielen wichtigen Feiertage des Jahres begeht. Wir aber haben unseren eigenen Rhythmus gefunden, nächtliche Tanzparties gehören aktuell nicht zum Ultratakt. Auch Babu Raja dreht sich wieder um, das lebendige und außerordentlich farbenfrohe mehrtägige Holi-Fest wird uns ohnehin noch einholen.
Wieder stehen wir früh auf, wenn auch nicht um 1. Denn heute soll unser letzter Lauftag sein, talwärts, talwärts. - Soll-te.
Am Airport vorbei starten wir mit den ersten Flugzeugen, die sich hoch über unsere Häupter Stahladlern gleich alsbald ins tiefste Tal der Erde stürzen werden, auf der gemeinsamen Flucht vor dem berüchtigten Staubsauger, der hier regelmäßig gegen 10h morgens seine Arbeit beginnt. Das Kali Gandaki Tal wirkt wie eine Düse für die warmen indischen Winde von Süden. Minitornados im Flußbett wirbeln reichlich Sand und Staub auf, wohl denen, die eine Gesichtsmaske oder zumindest Schal, und dazu eine gute Brille tragen. Ohne rahmende Schneeberge käme man sich beinahe vor wie in der Taklamakan Wüste.
Durch Marpha, die angenehme Apfel-Aprikosen-Oase mit schöner neuer und einer alten Gompa (buddhistische „Kirche“), bekannt geworden u.a. durch den Film „Ring des Buddha“, laufen wir dieses Mal nur hindurch. Wir frühstücken auf der heimeligen Veranda der „Dutch Bakery“ in Tukche, einer gepflegten Siedlung tüchtiger Thakali - aus Häusern, die man bei uns als Fachwerk bezeichnen würde.
Bald danach müssen wir eine der zahlreichen, bisweilen abenteuerlich konstruierten und mehrfach ausgebesserten Hängebrücken queren, im Düsenwind eine den Gleichgewichtssinn ungemein schulende Übung. Insbesondere, wenn Träger mit Lebendfedervieh in viergeschossigen Drahtkäfigen in Gegenrichtung unterwegs sind. Eine genau in dem Moment, da man sich selbst in der Mitte befindet, die Brücke von der anderen Seite betretende Yakherde oder Mulikarawane wird mit dem Ausgangsfaktor 3,5 bewertet. Höchstpunktzahl winkt, sollte jene talaufwärts ziehen ... und entsprechend beidseitig interessant beladen sein. Denn die Viecher sind allesamt beneidenswert stur.
Kalopani - welch ein Anblick !
Zum ersten Mal habe ich das Glück, die Annapurna I von hier in voller Pracht und knackig-klarer Bergluft bewundern zu dürfen. Ein überragendes Panorama von 2400 auf über 8000hm hinauf, welches mir wegen üblicherweise mit dem Wind früh aufziehender Wolken bislang verborgen war.
Wir schießen Fotos ohne Ende, können uns nicht satt sehen, wollen zu Mittag aber satt essen im „Adlernest“ in Ghasa. Das Flußbett hat sich mittlerweile zu einer veritablen Schlucht verengt, wir verlieren rapide Höhenmeter. Farne, Flechten, Tropophyten führen uns erneut durch märchenhaften Bergurwald, wie ihn Walt Disney nicht schöner zeichnen konnte. Immer tiefer hinein laufend, sind die Gipfel der umliegenden Berge bald außer Sicht.
* Bauern pflügen hier noch mit dem Holzpflug hinter dem Ochsen, längst nicht jeder profitiert vom entstandenen Tour-ismus. Selbst Betreiber gut besuchter Lodges haben weitere Einkommensquellen nötig, fast alle sind im Grunde Bauern oder einfache Händler geblieben. *
„Eagle’s Nest“ am unteren Ende des weit auseinandergezogenen Dorfes, ist gut besucht. Angesichts großer innenpolitischer Probleme im Nepal von heute ist zu befürchten, daß dies nicht so bleiben wird.
Gebratener Reis mit Frischgemüse, dann holt auch uns kurz hinter Ghasa die Politik ein, werden Marx und Lenin wichtiger als das faszinierende Weltnatur- und Kulturerbe, welches uns umgibt.
* Die Checkposten der Nationalparkverwaltung strotzen nur so vor bewaffneten Armeesoldaten, dank einer zielgerichteten ausländischen 50 Millionen Dollarhilfe aufgerüstet von einem hinduistischen Königreich im Kampf gegen seine Bauern, welche längst den einen oder anderen Turm geschlagen haben.
Schach ! *
Die Kali Gandaki Schlucht läßt sich zu ihrem zivilisatorischen Anfangs- und Endpunkt in Beni aktuell nicht mehr belaufen, es heißt: „auch für Touristen gesperrt“.
Etwa 5000 nicht vorgesehene Höhenmeter (2500 rauf, 2500 runter) werden am nächsten Tag auf uns warten, denn wir werden den Berg nach Ghorepani hinauf ... und auf der anderen Seite Richtung Naya Pul hinunter ca. einen Marathon Umweg an unsere geplante Strecke anhängen müssen, um überhaupt eine Chance zu haben, zur Straße, ans Ziel ... und mithin noch am selben Tag sicher nach Pokhara zu gelangen.
Soldaten vor Bougainvillea empfangen uns zahlreich auch in Dana, wo sich die gut 7200 Meter hohe Annapurna South zum ersten mal in voller Schönheit zeigt. Der von der resoluten Lodge-Mama gereichte frisch gepreßte und köstlich erfrischende Zitronensaft tröstet kaum darüber hinweg, daß das Paradies einige Kratzer bekommen hat. Immer mehr Soldaten begegnen uns.
* Kaum 2 Wochen später wird Beni blutiger Schauplatz sich gegenseitig in Hundertschaften niedermetzelnder Nepali sein. Läufer ? Der König ?
Patt ! *
Bald brauen sich graue Wolken zu einem heftigen Gewitter zusammen, doch ist es nicht mehr weit zu unserer Belohnung, dem Tagesziel Tatopani, mit berühmten heißen Quellen („tato“ = heiß, „pani“ = Wasser) direkt unterhalb unserer dortigen Unterkunft. Vielleicht haben wir Glück. In die Tiefe dieses Tales, höchst abgeschirmt zu fast allen Seiten außer nach Süden, dringen Unwetter seltener vor.
Die „Dhaulagiri Lodge“ mit ihrem subtropischen Garten und den netten Chalets ist einer meiner Lieblingsplätze in Nepal.
Nach einer anstrengenden Tour sorgen reichhaltige Küche und herzlicher, ungewohnt flinker Service zusammen mit den Quellen für schnelle Erholung. Der Sauerstoff auf nur noch 1100hm und der herrliche Ausblick nach Norden auf sich rechts und links der Schlucht übereinander türmende Kuppen, Hügel und Berge, mit dem 7000er Nilgiri South optisch im Talschluß als Krönung, tun ein Übriges, wenn sich zu „Chicken Sizzler“ oder „Buff Stroganoff“ unter Orangenbäumen die Eindrücke der vergangenen Tage verdichten.
Nach einem Bad in den gepflegten, eingefaßten „Hot Springs“ fühlt man sich so, wie es nach einem Urlaub sein soll. Entspannt. Trotz aller sportlichen Umstände.
Und trotz aller politischen Widrigkeiten einer pseudo-demokratisch regierten Völkergemeinschaft, mit ihrem erkennbar überforderten Thronherren, ihrem als korrupt geltenden Parlament, ihren maoistischen Aufständlern.
*
Wie lang mag es dauern, bis in diesem unbeschreiblich schönen wie unbegreiflich armen Erdenwinkel am Dorfeingang ein Schild stolz die Partnerschaft mit Bad Tölz, Bad Aussee oder Leukerbad verkündet?!
So zeigen sich am Himmel nicht nur dunkle Wolken, sondern auch die Vision eines „Hot Spots“ im hoffentlich naturverträglichen Welttourismus. Auf dem ultralangen Weg dorthin ist den Menschen eine bedachte, gerechte Führung zu wünschen. Weit über 10.000 Menschenleben alleine bis heute sind ein sehr hoher Preis. *
5.Tag
In dieser Gedankenwelt wird am letzten Tag unser eigener gemeinsamer Weg kurz und kürzer. Wie wenig Leid steckt auf einmal in einem nun plötzlich scheuernden Rucksack oder infolge ausgiebigen Quellengenusses aufgeweichter, blasenanfälliger, entzündeter Fußhaut?!
Was macht es schon, daß sich das Wetter beim strammen Aufstieg Richtung Ghorepani und Poon Hill, sonst ein berühmter Aussichtspunkt der Extraklasse, zuzieht; schade und doch nicht zu ändern, daß nicht nur der heiligste aller Berge Nepals, der formschöne Machapuchare, seine berühmte, im Gipfelbereich unbestiegene Fischschwanz-Silhouette heute in Regen versteckt.
Kein Problem, daß immer wieder Kinder unseren blauen Laufklamotten anläßlich des Holi-Festes (auch Fagu Purnima genannt) reichlich zinnoberrote Farbtupfer verpassen, solange, bis wir wie lila Kühe über die Almen ziehen.
Die zugehörige wilde Wasserschlacht haben wir heute sowieso von oben.
Auch die sog. „längste Treppe der Welt“, der vieltausendstufige Steilabstieg über mehr als 1000 Höhenmeter in einem Rutsch nach Tikhedunga hinunter, bringt nicht die Erkenntnis zu Fall, außergewöhnlich privilegierte Tage genossen zu haben.
Beim Anblick von Babu Raja wird mir ein letztes mal Angst und Bange. Graue Stufenkanten sind für ihn nur kurze Leitpunkte auf seinem halsbrecherischen aber immer kontrollierten „Sturzflug“ treppab.
Eine riesige Ziegenherde zwingt uns noch zu einem abenteuerlichen Querfeldein-Manöver, dann schließt sich der Lauf-Kreis. Für mich zum bereits dritten mal.
Der alte Mann ist tot.
Mit gefalteten Armen liegt er friedlich, auf Holzscheite aufgebahrt, am Ufer eines Dorfbaches. Kurz vor Naya Pul, kurz vor unserem abschließenden Erreichen der Straße nach Pokhara, begegnet uns sein ältester Sohn, gefasst, kahl geschoren, bereit für eine letzte Zeremonie. Er ist sauber in strahlend weiße Gewänder gehüllt.
Die reine Farbe unserer Hochzeit ist im Himalaya die Farbe der Ewigkeit.
Wir waren schnell. Sehr schnell. Aber in der Erinnerung laufe ich immer noch dort.
Und werde es ewig tun.
Danyabaad – danke!
Hier noch eine kleine Diashow, zusammengestellt von einem zurecht stolzen Nepali, zu DEM trekking song schlechthin:
Resham Firiri, die Nepali Trekkinghymne
(viele Eindrücke auch von der Annapurnarunde, so zeigen zB die ersten 3 Bergbilder zunächst Nilgiri von Norden, dann den Blick von Muktinath nach Westen Richtung Kali Gandaki Tal und dann die Annapurnakette von Süden/Pokhara)
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Die Ausrüstung
6,5 Kilogramm Beschwerdefreiheit
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Nach den Bergen nehm ich meinen Lauf,
Sonne soll mich sengen, Schnee mich kühlen;
Uns´rer Erde Leben mitzufühlen,
tu ich alle Sinne festlich auf.
Licht, leuchte mir ins Herz hinein,
Wind, verweh mir Sorgen und Beschwerden !
Tiefre Wonne weiß ich nicht auf Erden,
als in Nepal unterwegs zu sein.
Und dort soll mir jeder neue Tag
neue Freunde, neue Brüder weisen,
bis ich klaglos alle Kräfte preisen,
aller Sterne Gast und Freund sein mag.